Hinweis Im ESS muss der Schalter des MultiPlus-II auf I (On) stehen, nicht auf II — im Modus Charger only entlädt das Gerät die Batterie nicht.
Victron Hilfecenter
Diagnose

ESS bezieht Strom aus dem Netz statt aus der Batterie

Gilt für ESS-Systeme mit MultiPlus-II, Quattro-II oder EasySolar-II und einem GX-Gerät. Die Schritte basieren auf dem ESS-Handbuch (ESS design and installation manual): Kapitel 4 (Konfiguration), 6 (Entladetiefe), 10 (FAQ) und 11 (Fehlerbehebung).

20%SoC, nach dessen Erreichen der ESS-Relaistest durchgeführt wird
5%Unterschreiten von Minimum SoC löst Nachladen aus dem Netz aus
5 Amax. Ladestrom aus dem Netz im Sustain-Modus pro Gerät
MultiPlus-II GX

01Zuerst prüfen

Bildschirm des GX-Geräts. Die ESS-Statuscodes (#1–#7) werden in der grafischen GX-Übersicht und im VRM-Portal angezeigt.
Bildschirm des GX-Geräts. Die ESS-Statuscodes (#1–#7) werden in der grafischen GX-Übersicht und im VRM-Portal angezeigt.
  • ESS-Statuscode in der GX-Übersicht oder in VRM neben dem Ladezustand: #1 niedriger SoC, #2 BatteryLife aktiv, #3 und #4 BMS hat Laden oder Entladen gesperrt, #5 langsames Laden (Teil von BatteryLife), #6 und #7 Lade- oder Entladegrenze auf null gesetzt. Beschreibung der einzelnen Codes: ESS-Zustände.
  • VE.Bus-Status — bei „Passthru“ nutzt das System die Batterie nicht; das Handbuch behandelt dies als zu klärendes Problem (Schritt 6).
  • Software — das Kapitel „Troubleshooting“ beginnt mit der Prüfung, ob alle Geräte die neueste Software haben; nennen Sie bei Rückfragen an den Händler die genauen Versionen. Siehe Firmware-Update.
  • Batterie — laut demselben Kapitel kann eine Blei-Säure-Batterie für ESS ungeeignet und durch intensive Zyklen bereits verschlissen sein. Bei einer unbekannten oder nicht unterstützten Batterie mit CAN-bus-Kommunikation fordert das Handbuch den Austausch gegen einen unterstützten Typ.
  • GX-Fehlercodes — z. B. #49 (Netzzähler nicht gefunden) oder #48 (DVCC mit inkompatibler Software); Wechselrichter-Fehlercodes — VE.Bus.
ESS nur in ortsfesten Anlagen

Das Handbuch verbietet den Einsatz von ESS in Fahrzeugen und auf Booten: Nach dem Ziehen des Landstromsteckers benötigt das System einige Sekunden, um den Netzausfall zu erkennen und das Rückspeiserelais zu öffnen. Währenddessen liegen an den Steckerkontakten 230 V an. Das gilt ebenso für jedes Kabel mit einem Stecker, den der Benutzer ziehen kann.

02Diagnose Schritt für Schritt

1Steht der Schalter am Gerät auf On?

In der Stellung „Charger only“ entlädt der Wechselrichter/Ladegerät die Batterie nicht. Die Schalterstellung ist weder im VRM noch auf dem GX-Gerät sichtbar — sie muss vor Ort geprüft werden. Beim MultiPlus-II sitzt der Schalter an der Unterseite des Geräts und muss auf I stehen, nicht auf II.

Ja, er steht auf On

Weiter mit Schritt 2.

Nein

Stellen Sie den Schalter auf On (beim MultiPlus-II auf I).

2Ist der SoC auf den eingestellten Grenzwert gesunken?

Bei verfügbarem Netz beendet ESS die Batterieentladung, sobald der SoC den im ESS-Menü eingestellten Wert Minimum SoC erreicht. Beispiel aus dem Handbuch: Bei 60% dient der Kapazitätsbereich 60–100% dem Eigenverbrauch und 0–60% als Reserve bei Netzausfall. Bei Netzausfall wird die Batterie im Wechselrichterbetrieb weiter entladen, bis andere Abschaltschwellen greifen.

  • BatteryLife (Code #2) kann diesen Grenzwert täglich anheben — bei geringer Sonneneinstrahlung um 5% pro Tag, bis die täglich aus der Batterie entnommene Energie der nachgeladenen Energie entspricht. Bei zunehmender Sonneneinstrahlung sinkt der Grenzwert Tag für Tag wieder auf den eingestellten Wert.
  • Die Entladung wird wieder freigegeben, sobald der SoC mindestens 3% über dem eingestellten Grenzwert liegt.
  • Die Begrenzung berücksichtigt auch die Batteriespannung (Dynamic cut-off) und BMS-Signale — nicht nur den SoC.
Ja, der SoC liegt am Grenzwert

Das ist normales ESS-Verhalten. Wenn Sie einen größeren Teil der Batteriekapazität nutzen möchten, ändern Sie Minimum SoC (und gegebenenfalls den Modus mit BatteryLife). Beachten Sie: Ein niedrigerer Grenzwert bedeutet weniger Reserve bei Netzausfall.

Nein, der SoC liegt deutlich darüber

Weiter mit Schritt 3.

3Hat das Batterie-BMS die Entladung gesperrt?

Dies betrifft Batterien mit CAN-bus-Kommunikation. Öffnen Sie auf dem GX-Gerät die Batterie in der Geräteliste, anschließend das Untermenü Parameters, und prüfen Sie Discharge Current Limit (DCL). Der Wert null bedeutet, dass die Batterie dem System keine weitere Entladung erlaubt (in der GX-Übersicht: Code #4).

Ja, DCL = 0

Die Ursache liegt bei der Batterie oder dem BMS — siehe „BMS hat das Laden abgeschaltet“ und die Fehlercodes Ihrer Batterie.

Nein

Weiter mit Schritt 4.

4Ist der ESS-Relaistest abgeschlossen?

Bevor der Wechselrichter/Ladegerät im ESS-System die Batterie nutzen kann, muss er einen Relaistest durchführen. Dabei arbeitet er etwa eine Minute lang als Wechselrichter und benötigt dafür eine Energiereserve in der Batterie. Ist die Batteriespannung beim Anschluss an das Netz zu niedrig, startet das System im Durchleitungsmodus (passthru) oder im Ladebetrieb und wartet, bis die Batterie nachgeladen ist. Bis dahin wandelt es keinen Gleichstrom in Wechselstrom um: Es versorgt keine Verbraucher aus der Batterie, leitet keine Energie der MPPT-Laderegler an sie weiter und speist keine PV-Überschüsse ins Netz ein.

Der Test wird durchgeführt, sobald die Batteriespannung 14 V, 28 V oder 56 V überschreitet (bei Systemen mit 12, 24 und 48 V) oder der SoC über 20% steigt. Den Status prüfen Sie auf dem GX-Gerät: Geräteliste → Multi/Quattro → Untermenü Advanced → ESS Relay test — „Pending“ (ausstehend) oder „Completed“ (abgeschlossen). Dieser Eintrag ist nur in Systemen mit ESS-Assistent sichtbar.

Ja, Completed

Weiter mit Schritt 5.

Nein, Pending

Laden Sie die Batterie über die angegebene Spannung oder über 20% SoC auf — der Test startet automatisch.

5Blockiert der Netzcode den Betrieb über den AUX-Eingang?

Einige Netzcodes (z. B. der deutsche oder australische) nutzen den Eingang AUX1, um die Einspeisung abzuschalten. Ist AUX1 mit etwas anderem verbunden — etwa einem AC-Sensor oder BMS —, kann dies den Systembetrieb blockieren. Lösung laut Handbuch: Deaktivieren Sie diese Option in den Netzcode-Einstellungen (VEConfigure). Das Handbuch nennt auch Netzcodes, die eine Freigabe zur Batterieentladung über die AUX-Eingänge verlangen. Vergleichen Sie den eingestellten Code mit den Signalen, die tatsächlich an den AUX-Eingängen des Geräts anliegen.

6Ist der VE.Bus-Status „Passthru“?

Laut ESS-Handbuch wechselt das System in den Durchleitungsmodus, wenn:

  • das GX-Gerät keine Daten mehr vom Netzzähler empfängt — dies betrifft Systeme mit externem Zähler (Einstellung Settings → ESS → Control without grid-meter); siehe auch Fehler GX #49;
  • das GX-Gerät in einem System mit CAN-bus-Lithiumbatterie keine Informationen mehr von der Batterie empfängt;
  • das Laden nicht erlaubt ist (maximaler Ladestrom vom BMS = 0 A oder maximale Ladeleistung = 0 W) und ein PV-Energieüberschuss vorliegt;
  • die Entladung nicht erlaubt ist (BMS: DCL = 0 oder SoC unter Minimum SoC) und die Verbraucher am AC-Ausgang mehr benötigen, als die Eingangsstrombegrenzung zulässt;
  • der Netzcode eine Entladefreigabe über die AUX-Eingänge verlangt (Schritt 5);
  • die Netzausfallerkennung (LOM) Probleme verursacht — häufig bei einem Netzanschluss mit hoher Impedanz (Schritt 7).

7Schaltet das System wegen „Überlast“ ab, obwohl es am Netz angeschlossen ist?

Das Handbuch nennt die Netzausfallerkennung (Loss of Mains, LOM), die mit dem in VEConfigure eingestellten Ländercode verknüpft ist. Dies tritt auf, wenn die Versorgung am AC-Eingang „schwach“ ist, also die Netzverbindung eine höhere Impedanz als üblich hat — etwa bei einem Generator oder einem alten bzw. abgelegenen Haus mit einer zu langen oder zu dünnen Zuleitung. Lösungen und Konfigurationsmöglichkeiten beschreibt das Victron-Dokument „VEConfigure: grid codes & loss of mains detection“. Falls keiner der Schritte hilft, empfiehlt das Handbuch, LOM vorübergehend zu deaktivieren, um diese Ursache auszuschließen.

8Entlädt sich die Batterie zunächst und wird nachts aus dem Netz geladen?

Im Modus Optimized lädt ESS die Batterie nur dann aus dem Netz, wenn dies zum Schutz vor Schäden erforderlich ist:

  • Sustain — wird erst aktiviert, wenn die Batterie als entladen gilt (Spannung unter Dynamic cut-off oder Signal für niedrige Zellspannung vom VE.Bus BMS). Das System hält dann die Sustain-Spannung aufrecht — im 12-V-System: 12,5 V bei Lithiumbatterien, bei anderen Batterien 11,5 V während der ersten 24 Stunden, danach 12,5 V. Dazu lädt es aus dem Netz mit höchstens 5 A pro Gerät (unabhängig von der Systemspannung). Der Modus endet, sobald die PV-Module die Spannung um 0,1 V über das Sustain-Niveau anheben (0,2 V bei 24 V, 0,4 V bei 48 V).
  • Langsames Laden durch BatteryLife (Code #5).
  • Auto-recharge — fällt der SoC um 5% oder mehr unter Minimum SoC, lädt das System die Batterie aus dem Netz bis auf Minimum SoC nach.

Vorgehen laut Handbuch: Erhöhen Sie Minimum SoC, beispielsweise um 5%, und beobachten Sie das Verhalten. Sie können auch die Sustain-Spannungen in VEConfigure senken, allerdings mit Vorsicht — insbesondere bei Blei-Säure-Batterien, denn die Sustain-Werte schützen sie vor vorzeitigen Schäden.

9Versorgen die PV-Module trotz Sonnenschein keine Verbraucher?

Reihenfolge aus dem Kapitel „Troubleshooting“:

  • Prüfen Sie die Statuscodes „#“ in der GX-Übersicht;
  • Prüfen Sie die Kabel — ein hoher Spannungsabfall zwischen MPPT-Laderegler und Wechselrichter/Ladegerät verhindert eine wirksame Versorgung der AC-Verbraucher durch die PV-Module;
  • Prüfen Sie den Betrieb mit aktiviertem und deaktiviertem SVS (gemeinsame Spannungsmessung) — lassen Sie SVS deaktiviert.
  • Prüfen Sie die Ladestrombegrenzung des MPPT-Ladereglers (CCL), während die Solarmodule nur wenig genutzt werden — sie sollte immer hoch sein, auch bei voller Batterie, sofern die Temperatur dies zulässt;
  • Prüfen Sie den Ladespannungssollwert des MPPT-Ladereglers (Charge Voltage Setpoint) — er sollte über der aktuellen Batteriespannung liegen. Die beiden letzten Parameter berechnet die Software aus den Werten, die die Lithiumbatterie über den CAN-bus sendet; Sie können sie nicht manuell einstellen, sie helfen aber, das Verhalten zu verstehen.

Im Modus Keep batteries charged kann der MPPT-Laderegler bei voller Batterie weniger Leistung erzeugen — wenn DVCC und die Einstellung „Feed-in excess solar charger power“ deaktiviert sind. Abhilfen laut Handbuch: Aktivieren Sie DVCC (sofern das Handbuch des GX-Geräts dies für die betreffende Batterie erlaubt) oder wählen Sie den Modus Optimized mit Minimum SoC 100% — dann lädt das System die Batterie nach einem Netzausfall allerdings nicht aus dem Netz nach.

10Solarüberschüsse werden nicht ins Netz eingespeist?

  • Feed-in excess solar charger power — für Solarmodule, die über MPPT-Laderegler (DC) angeschlossen sind, muss diese Einstellung aktiviert sein (On). Der Regler arbeitet dann stets mit voller Leistung: Zuerst versorgt er die Verbraucher, dann lädt er die Batterie und speist den Rest ins Netz ein. Hinweis aus dem Handbuch: Die DVCC-Ladestrombegrenzung wirkt dann nicht mehr — stellen Sie bei einer kleinen Batterie eine sichere Begrenzung direkt in den Reglern ein.
  • Grid feed-in — in diesem Menü lässt sich die Einspeisung aus AC- und DC-Solaranlagen vollständig deaktivieren oder begrenzen. Eingespeist wird erst, wenn der Überschuss die Verbraucher vollständig versorgt und die Batterie geladen ist (oder mit dem maximal zulässigen Strom geladen wird). Die Anzeige „Feed-in limiting active“ zeigt nur dann „Yes“, wenn die Begrenzung gerade aktiv ist.
  • Auch ein nicht abgeschlossener Relaistest (Schritt 4) und ein Netzcode, der den Eingang AUX1 nutzt (Schritt 5), blockieren die Einspeisung.

03Das ist keine Störung

Das ESS-Handbuch beschreibt mehrere Verhaltensweisen, die wie ein Problem wirken, aber normal sind:

  • Das System bleibt ständig mit dem Netz verbunden, auch bei voller Batterie — im Modus Optimized ist das beabsichtigt: Das Netz bietet eine stabilere Versorgung als der Wechselrichter (ohne Lichtflackern und Abschaltungen bei großen Verbrauchern), während der Netzbezug gering bleibt.
  • Ständiger geringer Netzbezug — die Einstellung Grid setpoint (werkseitig 50 W) hält bewusst einen kleinen Netzbezug aufrecht, damit das System bei Überschwingen der Regelung keine Energie ins Netz einspeist. Bei großen Anlagen empfiehlt der Hersteller einen höheren Wert.
  • Der AC-Eingangsstrom schwankt stark und ist mitunter sogar negativ (Modus Optimized ohne Einspeisung) — dies ist der Effektivstrom (RMS), der bei einer Leistung nahe 0 W durch die Entstörkondensatoren im Gerät hoch ausfällt. Achten Sie auf die Eingangsleistung — sie ist stabiler und bildet den tatsächlichen Energiefluss besser ab.
  • Ladezustand Bulk, Absorption oder Float während der Entladung — bei angeschlossenem Netz ist das normal; die MPPT-Laderegler zeigen den Zustand „ESS“, weil der Wechselrichter/Ladegerät sie über das GX-Gerät steuert. Den tatsächlichen Systemzustand zeigt der VE.Bus-Status.
  • VRM-Daten weichen von der Stromrechnung ab (zwei- und dreiphasige Systeme) — mit einem ET340-Zähler oder ohne Zähler werden Bezug und Einspeisung für jede Phase getrennt erfasst, während viele Zähler des Netzbetreibers die saldierte Summe aller Phasen abrechnen. Dies gilt nicht für den EM24-Zähler.

Schaltplan einer typischen Anlage: Haus mit ESS. Der Wechselrichter schaltet unter Last ohne angeschlossenes Netz ab — siehe „MultiPlus meldet Überlast“.

04Wann ein Hardwarefehler vorliegt

Wenn die Software aktuell ist, die Batterie unterstützt wird und die Einstellungen gemäß den obigen Schritten geprüft sind, das System aber weiterhin weder die Batterie nutzt noch Überschüsse einspeist, wenden Sie sich an Ihren Installateur oder Händler. Halten Sie die genauen Softwareversionen aller Geräte (das Handbuch verlangt diese bei jeder Anfrage), Batteriemodell und -typ, Status- und Fehlercodes, Screenshots der ESS-Einstellungen sowie den Link zur Anlage in VRM bereit.

Betroffene Geräte

Quellen

Inhalt mit der Dokumentation von Victron Energy (Datenblätter und Handbücher) abgeglichen — Stand 21.09.2026. Inhaltlichen Fehler melden · Korrekturprotokoll